Wenn die Hummel mitentscheidet | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Warum torffreie Erde nicht nur das Klima schützt – und bei der Landesgartenschau Standard ist.

Wenn die Hummel mitentscheidet

Es dauert keine fünf Minuten, dann landet eine dicke Hummel auf der lila blühenden Skabiose. Der süßliche Duft hat gewirkt. Unter der bunt bepflanzten Schale stehen vier Säcke Blumenerde. „Für Tomaten, Gemüse, Beeren und Hochbeete“ steht auf einem. Wichtiger ist ein anderes Wort, das auf allen Säcken zu finden ist: „torffrei“.

Aktuell läuft die bundesweite Aktionswoche „Torffrei gärtnern!“. Initiiert vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH), getragen von Unternehmen, Verbänden und Naturschutzorganisationen. Ziel ist es, das Bewusstsein für torffreies Gärtnern zu stärken.

Thomas Hellingrath, Geschäftsführer der Landesgartenschau Oberhessen 2027, und die gärtnerische Leiterin Ulrike Hansen-Röper lassen Erde in die Pflanzschale rieseln und setzen Blumen ein. Die Landesgartenschau (LGS) wird den Unteren Kurpark 2027 mit Blumenschauen, Wechselflor, Stauden und Schaugärten in ein Blumenmeer verwandeln. Die heutige Botschaft ist klar: Für die LGS wird ausschließlich torffreie Erde verwendet. Heute werden Anemonen, Veilchen, weiße Krokusse, Primeln, Goldlack, Skabiose, Rosmarin und ein Stämmchen Salweide von Blumen Christ aus Stockheim gepflanzt. Die Erde stammt von Patzer Erden aus Sinntal.

Warum torffrei? „Vor allem wegen des Umwelt- und Insektenschutzes“, sagt Hellingrath. Torf gehört in die Moore. Diese Böden entstehen über Jahrtausende und speichern enorme Mengen Kohlenstoff – mehr als alle Wälder der Erde zusammen. Doch viele Moore wurden trockengelegt, Torf abgebaut. Dabei wird CO₂ freigesetzt. Heute werden Moore wieder vernässt.

Bis zu 43 Prozent Torf stecken in herkömmlicher Blumenerde. Wer torffrei gärtnert, schützt diese sensiblen Lebensräume. Beim Kauf lohnt ein Blick auf die Kennzeichnung „torffrei“ oder „ohne Torf“. Wichtig ist auch die Pflege: lieber häufiger und in kleinen Mengen gießen, Dünger gezielt einsetzen, geöffnete Säcke zügig verbrauchen und trocken lagern. Alternativen bestehen aus Mischungen von Holzfasern, Grüngutkompost und Kokosprodukten.

Die Hummel ist inzwischen nicht mehr allein. Weitere Insekten haben die Blüten entdeckt. „Tiere pflanzen“, nennen Naturgärtner das. Mit der richtigen Auswahl – und torffreier Erde – funktioniert es.

Bild „Thomas und Ulrike“:

Thomas Hellingrath, Geschäftsführer der Landesgartenschau, und Ulrike Hansen-Röper, gärtnerische Leiterin, haben die richtigen Blumen und torffreie Erde gewählt. Die Insekten mögen’s.

„Säcke“ oder „Aufdruck ohne Torf“

Gewöhnliche Erde enthält bis zu 43 Prozent Torf. Beim Kauf lohnt sich ein Blick, ob die Ware mit der Kennzeichnung „torffrei“ oder „ohne Torf“ versehen ist.

„Hummel“

Eine dicke Hummel hat eine lila blühende Skabiose entdeckt und findet dort Futter.